Montag, 8. Dezember 2014

Tag 83 oder so.

Ich bin nun schon über 80 Tage in diesem unfassbaren großen Land.
Über 80 Tage einen großen Teich entfernt von allem Gewohnten.

Und über 80 Tage versucht mein Mund die Wörter zu benutzen, die meine Ohren verstehen.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass jeder Langzeitreisende irgendwann an den Punkt kommt, an dem er sich fragt; "wieso mache ich das hier überhaupt".

Als Work&Traveler sollte diese Frage schnell beantwortet werden können.
Erstens steckt es in der Bezeichnung "Work&Travel" und zweitens ist es nach dem "Hey, what's ur name-Where are u from-Which part of Germany"-Gefrage, das meist darauf folgende.
Aber letztendlich ist "Work&Travel" nur so etwas wie eine Alibi-Antwort!


Es sagt nichts über das aus, was man hier wirklich macht - denn weder die Arbeit noch das Reisen an sich, ist das prägende. 

Jede Reise, jeder Reisende ist individuell und alle haben unterschiedliche Ziele, die sie mit ihrem Auslandsaufenthalt verfolgen. Zusammen mit ihren Erwartungen die sich erfüllen sollen. Niemals wird jemand die Reise eines anderen genau verstehen. Denn es ist unmöglich das Gesehene mit Bildern und das Erlebte mit Worten ausreichend weiter zu geben.

Aber was ist mein Ziel? Was sind meine Erwartungen?

Wieso also mache ich das hier?
Der Gedanke, Zeit im Ausland zu verbringen, war relativ schnell im Kopf. Allerdings habe ich die erste Chance ja verschenkt -aus verschiedensten Gründen-.

Nun aber nach Beendigung der Schule hatte ich Zeit, halbwegs das nötige Kleingeld, die körperliche Verfassung und vor allem Lust auf was Neues.
Etwas Neues sehe ich hier jeden Tag und genieße es so, keinen Alltag zu haben.
Jeden Morgen wache ich auf und kann mir überlegen, was ich machen möchte!


Ich glaube für mich, ist die Reise das Ziel (jaja, immer diese Weisheiten aus dem Internet) - aber es stimmt.
Es ist eine Reise durch Kanada und letztendlich auch zu mir selbst.
Eine Reise um zu sehen, was ich "alleine" schaffen kann, was ich vom Leben erwarte und um mir ein eigenes Bild zu erschaffen.

Planlos in Fettnäpfchen springen, Auszeit vom Daheim, entdecken und erleben - ungebunden sein. Menschen aus aller Welt zu treffen und ihre Geschichte zu erfahren. Größenwahnsinnig werden, weil der Horizont sich jeden Tag erweitert. Erfahrungen, Kulturen und Sprachen.
Jeden Tag erwische ich mich, wie ich mich daran erinnere, dass das hier kein Traum ist.
Es ist etwas für immer. Etwas was mich mein Leben lang begleiten wird und vielleicht in der einen oder anderen Situation anders urteilen lässt.
Das soll nicht heißen, dass ich in dem kleinen Nebenörtchen von Bremen unglücklich war-ganz im Gegenteil! Ich merke immer wieder, wie gut ich es Zuhause habe und dass ich ohne, nicht in der Lage wäre, das hier alleine "durchzustehen". Denn tatsächlich ist der Luxus reisen zu können, nicht immer das Einfachste.

Ich werde diesen Luxus nicht ewig verfolgen können, denn irgendwann muss auch ich mal das Sparschweinchen füttern.

Aber bis dahin;

Has a fox to do, what a fox needs to do
Ich bin glücklich - ist das nicht irgendwie schon Reise und Ziel in einem?


Unbearbeitete Rocky Mountains

Nun aber genug Gedankengewurschtel;
Ich habe heute meine ersten Stunden in Banff für einen Spaziergang genutzt.
Mal eben einen Spaziergang in Banff (HAHA! - habe ich danach auch gemerkt)

Randnotiz; ich hatte schon wieder einen Wollpulli an.
Aber zurück zur Geschichte;
Ich bin um 3 Uhr in Banff angekommen und war dann so gegen halb 4 im Hostel - welches ich nur Dank der freundlichen Mitmenschen gefunden habe; sonst wäre ich einfach weiter mit dem Bus gefahren-.
Da es in Kanada meistens schon gegen 5 dunkel wird; habe ich beschlossen mir nicht mehr allzu viel vorzunehmen sondern nur mal eben ein wenig die Umgebung des Hostels zu erkunden.
Bin dann zu einem verschneiten Wald gekommen, der ebenso den Anfang eines offizielle Wanderweges darstellt.
Da entweder ein Mensch mit besserer Schnee-Ausrüstung als ich oder Bigfoot vor mir unterwegs gewesen sein musste; habe ich beschlossen mich diesem Weg ein wenig anzuschließen.
Nach 20 Minuten durch doch etwas mehr Schnee als am Anfang erwartet; war ich mir nicht mehr sicher ob es schlauer wäre umzukehren oder ob das Ziel bzw. die Straße nicht näher liege. Ich beschloss mich Bigfoot weiter anzuschließen und entdeckte nebenbei viele Tierspuren. Auch von Bären - wo ich mir nicht sicher war ob ich mich freuen sollte oder lieber schon mal anfangen sollte, die tote Frau zu üben (auf den Bauch flach auf den Boden legen). 

Es blieb aber bei Spuren, außer den einzelnen Elks und Deers, die mich neugierig beäugten aber keine Anstalten machten mich anzugreifen, geschweige denn wegzulaufen. 
Das Geräusch einer Straße beruhigte mich zunehmend und ich hörte auf mich alle 5 Meter umzudrehen (man weiß ja nie). 
Nebenbei waren meine Augen eh vor allem nach rechts gewendet, wo sich ein Teil der Rocky Mountains sich von ihrer schönsten Seite zeigten.
-Wurde immer wärmer in dem Wollpulli-



Der Wander"weg"
Bigfoots Spuren
Als es dann aber anfing zu dämmern, machte ich mich auf dem Weg zur Straße und sah gleich ein ganzes Deer-Rudel :-)

Sitze nun mit Sven (meinem Laptop, der bis jetzt erstaunlich und sehr zu meiner Freude durchhält), und anderen Menschen vor einem Kamin, während ein paar Iren Gitarre spielen :-)!

Ich drücke euch
Jana

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